Die fleißigen Polen – Rettung für den Pflegenotstand?

24-Stunden-Pflege

m17n.orgDeutschland verändert sich. Unsere Demografie wird in einigen Jahrzehnten eine völlig andere sein. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Bevölkerungsdiagramme im Schulbuch, die im Jahre 1900 einer Pyramide ähnelten. Wenn man sich die gleichen Erhebungen heute ansieht, wird schnell klar: Das Gleichgewicht für unser Sozialsystem ist aus den Fugen. Zugegeben, die Pyramide war in ihrer Ausprägung auch immer das Ergebnis einer hohen Kindersterblichkeit und die Menschen wurden um 1900 auch nicht sonderlich alt. Aber die Idee einer Rente, wie wir sie heutzutage genießen können, beruht genau auf einer solchen Pyramide, bei der viele junge für verhältnismäßig wenig alte Menschen aufkommen.
In wenigen Jahrzehnten schon wird das Diagramm noch weiter ausfransen und der Kopf schließlich größer sein als Leib und die Füße der Statistik. Doch nicht nur, dass immer weniger Menschen arbeiten werden, es werden auch immer mehr Leute im Alter hinfällig, siech, vielleicht dement und benötigen Pflege und Betreuung. Da in Deutschland, anders als zum Beispiel in Polen oder den baltischen Staaten, die Betreuung der Alten vor allem durch ambulante Pflegedienste und Altersheime betrieben wird, könnte es also zum vielbeschworenen Pflegenotstand kommen.

Auswirkungen: Pflegenotstand und Pflegekräfte aus Polen

Im Grunde genommen haben wir diesen Notstand schon heute: Es gibt zwar viele Altersheime, aber einige sind nicht wirklich zeitgemäß, andere hingegen durch und durch kommerzialisiert, so dass so manchem Senior, der sich dafür zu interessieren beginnt, die Lust auf einen Lebensabend in einem an der Börse notierten Haus vergeht. Der ambulante Pflegedienst, unterbezahlt und überfordert, hastet von Patient zu Patient und hat kaum Zeit, sich vielleicht um besondere Belange oder gar um den Seelenzustand der Betreuten zu kümmern.
Die Angehörigen der Alten sind oft keine Hilfe, da sie entweder arbeiten, selber krank sind, sich um die Kinder kümmern müssen und noch vieles mehr. Richtig, in anderen Ländern werden die Eltern eben zu Hause betreut und zur Not auch gepflegt, aber dort ist auch nicht selten die Frau gar nicht berufstätig oder die Generationen leben schon immer unter einem Dach. Hier hat man oft auch gar keinen Platz, um die Eltern oder gar auch noch die Schwiegereltern aufzunehmen, so dass Heim oder neuerdings Senioren – WG als für viele wenig attraktive Alternativen gelten.
Aber es gibt auch noch andere Wege, unseren alten Leutchen Gesellschaft und sinnvolle Hilfe anzubieten: Durch eine Pflegekraft, die 24 Stunden am Tag vor Ort ist und sich um alles kümmert, was im Haushalt eines in den eigenen vier Wänden lebenden Rentners so anfällt. Doch woher eine qualifizierte Kraft nehmen, die auch noch bezahlbar ist? Eine mögliche Anwort: Aus Polen!
(siehe auch help4seniors.de/polnische-Pflegekraefte/)

Polnische Haushaltshilfen und Pfleger

Schon seit vielen Jahren bieten Osteuropäer ihre Dienste in der Pflege an. Allerdings war das ind er Vergangenheit immer ein Tanz auf der Rasierklinge, da eine legale Beschäftigung rechtlich so gut wie ausgeschlossen oder zumindest ungemein kompliziert war. Das hat sich seit knapp 2 Jahren geändert und Staatsangehörige genau jener Länder, die 2004 der EU beitraten, dürfen nun normale Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Da gerade die Polen als besonders fleißig gelten und oft genug über Deutschkenntnisse und eine vorzügliche Ausbildung verfügen, ist es auch nicht weiter erstaunlich, wenn sie das Gros der Pflegerinnen und Pfleger ausmachen. Doch der Teufel steckt auch hier mal wieder im Detail, denn offiziell darf selbst die beste Pflegerin aus Polen nicht als Pflegerin in Deutschland arbeiten! Das hängt mit dem Schutz des Lohnniveaus zusammen, zumindest wäre man verpflichtet, der Polin dann auch den Mindestlohn zu zahlen und das ist bei einer 24 Stunden Pflege kaum machbar. Zwar dürfen die Kräfte auch nur 8 Stunden arbeiten, aber selbst das wird dann echt teuer und nach Feierabend ist der Senior dann wieder allein.

Aus diesen Verwirrungen heraus entstand schließlich die Tätigkeit der Haushaltshilfe. Eine solche Bezeichnung umgeht alle Schwierigkeiten und lässt Raum für Ideen. Polen, hin und wieder sogar mit Universitätsabschlüssen, arbeiten dann bei uns eben als Haushaltshilfen. Diese kosten so um die 1800 Euro, manchmal etwas mehr, manchmal weniger. In diesen Kosten sind Kost und Logis mit einberechnet, denn in fast allen Fällen wohnt eine solche Kraft aus Polen dann auch gleich bei den zu betreuenden Senioren. Das hat Vorteile, ist die Pflegerin doch rund um die Uhr da und hilft bei allen kleinen wie großen Problemen. Beim Spaziergang oder beim Einkaufen ist kein Stress nötig, man geht ja schließlich wieder gemeinsam nach Hause! Alles, was ich darüber gelesen oder im Fernsehen gesehen habe, war durchweg positiv, es kommt so gut wie niemals zu Problemen, auch weil die Polen durch die vermittelnde Agentur (Kleiner Tipp: Wenden Sie sich lieber nicht an das deutsche Arbeitsamt, da bekommen Sie eher den Passierschein A 38 als eine qualifizierte Pflegekraft aus Polen) genau überprüft und zudem auch nach allen rechtlichen Vorschriften abgesichert sind.

Eine Haushaltshilfe darf im Haushalt alles tun – nur keine medizinischen Dienstleistungen anbieten. Spritzen ist verboten und bleibt dem Pflegedienst vorbehalten. Allerdings ist auch hier die Grenze natürlich fließend, denn die Polen beherrschen natürlich alles Nötige, um einen Pflegefall oder aber einen nicht mehr so rüstigen Senior unter die Arme zu greifen. Sie können sogar nicht selten Krankengymnastik durchführen, jedenfalls hängt das auch immer vom jeweiligen Fall ab. Aber Saubermachen, Einkaufen, Gespräche führen, vielleicht waschen und rasieren, das darf sie alles machen. Im Grunde genommen sind sie dann auch oft Pfleger, werden halt nur nicht so bezeichnet. Für viele Polinnen und Polen ist das eine echte Chance und man sollte kein schlechtes Gewissen haben, dass da jemand für scheinbar geringen Lohn eine eher schwere Arbeit verrichtet: Die Agenturen, die solche Kräfte vermitteln, zahlen ein für Osteuropa wirklich akzetables Niveau und für viele Pfleger ist es allemal besser hier zu arbeiten als in der Heimat vielleicht gar keinen job zu finden!

Medizinische Fachzeitschriften loben Haushaltshilfen aus Polen jedenfalls immer wieder, auch weil diese meistens Deutsch sprechen und sich gut auskennen. Es ist absurd, aber ein Top- Krankenschwester darf bei uns in ihrem Sinne nicht tätig sein, im Normalfall ist sie es aber – mit all ihrer Erfahrung bringt sie sich dann eben offiziell als eine Art Putzkraft mit ein und so wird das deutsche Pflegesystem durch all die fleißigen Polen entlastet. Das kann auch ein Modell für die Zukunft sein, denn ich habe bereits auf die problematischen Entwicklungen hingewiesen. Freilich hat Polen, wie ich lese, auch eine stark alternde Bevölkerung und zudem eben ein großes Problem mit der Emigration von jungen und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Auch dort wird sich früher oder später ein Pflegenotstand offenbaren und dann werden bei uns die Polen vielleicht fehlen. Wer wird sie dann ersetzen? All die jungen Menschen, die sich jetzt aus Mangel an Alternativen für eine Ausbildung im Pflegebereich entscheiden? Eine solche Arbeit erfordert Passion und Verzicht, doch ist man dazu heute noch bereit?
Manchmal fürchte ich mich sogar ein bißchen vor dem eigenen Alter. Es ist überhaupt nicht klar, Politik sei dank, wie es in 20, 30 Jahren aussehen wird, welche Standards dann in der Altenbetreuung gelten und so weiter. So bleibt es jedenfalls zu hoffen, dass uns die fleißigen Polen noch lange erhalten bleiben.

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Was Gesundheit kosten darf

Wir werden immer älter und die Kosten für das Gesundheitssystem explodieren. Politiker und Fachleute fragen sich, wie man das künftig bewältigen soll, wenn immer mehr Menschen älter und damit auch kränker werden. Und das ist keine einfach zu beanwortende Frage! Denn wie immer entscheidet sich die Lösung zwischen Sparen und Investieren und da, wie mir scheint, kaum einer von den Entscheidern in unserem Land irgendeinen Plan hat, wird es wohl auf das Sparen hinauslaufen. Wohlgemerkt, wenn man jetzt anfangen würde und unsere Städte auf eine ältere Bevölkerung präpariert, ja dann könnte man mit klugen Investitionen schon viel erreichen. Wir brauchen genügend Krankenhäuser, die sich eben nicht in großem Stile unterscheiden, wir brauchen höchstmögliche Pflegestandards und keine Minimalversorgung. Dafür aber müssen wir Leute ausbilden, vorbereiten und wir müssen solche Investitionen auch gesamtgesellschaftlich entsprechend vertreten. Kurz gesagt: Die künftigen Ausgaben für die Zukunft werden zum großen Teil Ausgaben für die Bedürfnisse alter Leute sein. Das klingt seltsam, nicht wahr? Immerhin sind doch eigentlich die Kinder unsere Zukunft und sie dürfen auch nicht vergessen werden. Dieser unfassbar schwierige Spagat ist eine Aufgabe, die nur kluge und umsichtige Köpfe lösen werden.
Der übliche Parteisoldat hingegen, allein sich selbst und ein bißchen seinen, aber auch wirklich nur seinen und keinesfalls den anderen, Wählern verpflichtet, wird kluges Investieren ablehnen. Es erscheint ihm viel zu aufwendig, zu kompliziert in der Vermittlung und sowieso viel, viel zu langfristig gedacht.

Von links wird man da eher die totale Verschwendung mittels Schulden vorschlagen und vielleicht lieber noch einen zweiten Radweg neben den ersten Bauen, damit auch das Überholen klappt oder man wird sich in den üblichen Luftschlössern auf die werktätige Bevölkerung verlassen. Von rechts hingegen vertraut am besten gleich ganz auf den Herrgott, der die Seinen und auch wieder nur die Seinen und keine anderen, schon beschützen wird oder man wird es den Markt richten lassen. Klar, wir werden in Deutschland nicht zurückfallen in die soziale Nicht-Versorgung vor Bismarck, aber die alten Leute können sich trotzdem auf einiges gefasst machen: Sparen. Gesundheit darf nicht mehr viel kosten in Zukunft, denn die Kassen werden immer leerer! Selbst wenn die Bundesanleihen auf ihren Höchstständen sind, irgendwann wird man erkennen, dass Deutschland ein altes Land wird und dann werden unsere Zinsen für Staatsanleihen steigen und so weiter. Also wird man sparen, schlicht deshalb, weil niemand bisher mit einer klugen Planung und Investitition begonnen hat. Und schon in wenigen Jahren wird es zu spät sein.

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Neuigkeiten M17N

Wie jeder weiß, steht unsere Gesellschaft vor großen Umbrüchen: Nicht nur, dass sich am Horizont der Geschichte sich vielleicht das Ende der Nationalstaaten abzeichnet, zumindest in Europa, auch die Überalterung und damit die Notwendigkeit riesiger Pflege- und Betreuungsprogramme für alte Leute wird immer offensichtlicher.

Wie regieren und reagieren unsere Politiker darauf? Nun, manchmal scheint es, als hätten die meisten von ihnen das Problem zwar erkannt, wissen aber nicht recht, wie damit umzugehen ist. Die Versuche, die Pflegegelder zum Beispiel ein bißchen zu erhöhen oder an anderer Stelle einfach nur die Bezeichnung (!) für eine Maßnahme zu ändern, zeugt nicht von sonderlich weitsichtiger Überlegung. Die betroffenen Menschen, und es werden schließlich immer mehr, wollen aber oft genug ihre Eltern und Angehörigen gar nicht in irgendwelche anonymen Heime zur Verwahrung geben und stellen dann notgedrungen Pfleger oder Pflegerinnen aus Polen ein. Ich persönlich habe damit überhaupt kein Problem, schließlich leben wir in einem sich vereinigenden Europa und die polnischen Pfleger, darüber werde ich später noch berichten, gehören ganz sicher zu den fleißigsten überhaupt.

Aber mich nervt diese ungeheure Ignoranz an anderer Stelle. Wir müssen uns langsam mal drauf einstellen, dass wir ein Renten- und eben auch ein Pflegeproblem bekommen werden, dass sich nicht einfach so lösen lässt! Die Maßnahmen der Politik sehen in etwa so aus: Privatisierung von Altersheimen, Ausbau von Altersheimen, Errichtung neuer Altersheime und das Planen riesiger Komplexe zur Verwahrung der Alten. Das klingt übertrieben und entspricht nicht der Wahrheit? Zugegeben, kein Politiker wird das so zugeben, aber der „Plan“ für die nächsten Jahrzehnte riecht doch verdächtig nach Aufbewahrung und Separation. Es ist mehr oder minder Absicht, schlicht weil man zu faul, zu bequem oder schlicht zu ignorant ist, die sogenannte „Rentnerschwemme“ spätestens ab dem Zeitpunkt ihrer Pflegebedürftigkeit in Heime einzuschließen, sie dort am besten Maschinen gleichenden Pflegern zu überlassen und zu hoffen, dass Zuwanderung und Geburtenanreize das Problem dann wieder irgendwann entspannen.

Was aber, wenn jemand (und das sind die meisten) gar nicht in ein Heim möchte? Und sich noch selbst versorgen kann und will? Wohlgemerkt, ich rede nicht von heute, sondern auch und gerade von der Zukunft! Werden dann noch so viele Polen nach Deutschland kommen und hier unsere alten Leutchen pflegen? Oder sind Alter und Gebrechlichkeit bald gleichbedeutend mit Wegsperren und Vergessen? Ich werde mir jedenfalls alle Mühe geben, auf solche Mißstände hinzuweisen und sei es in Form eines Blogs. Denn es ist schließlich unsere Aufgabe, den Prozess der Zukunft gemeinsam zu gestalten und uns gesellschaftlich auf die Veränderungen einzustellen. Wir sollten uns alle Gedanken machen, die unfähigen Politiker ablösen und vor allem jenen, die jetzt schon fleißig und anständig und oft genug noch für einen Hungerlohn in der Pflege arbeiten, mehr Achtung und Respekt entgegenbringen, genauso wie jenen älteren Semestern, die von ihnen gepflegt werden.

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